Gendern - ja oder nein?

Seit der feministischen 2. Welle in den 70er Jahren spaltet eine Frage die Textlager: Soll man (Business-)Texte nun gendern oder nicht?


Gegner führen die erschwerte Lesbarkeit eines Textes ins Feld, Befürworter pochen auf die sprachliche und schriftliche Sichtbarkeit beider Geschlechter. Aktuell bemühen sich immer mehr Unternehmen, im Sinne der Diversität gendergerechte Texte zu produzieren - mit teils kuriosen Resultaten.


Doch wie geht man nun sinnvoll mit dem Anspruch um, sowohl weibliche als auch männliche Kunden, Stakeholder und andere Beteiligte anzusprechen? Sehen wir uns die möglichen Methoden an, einen Text geschlechtergerecht zu formulieren:


1. Paarform

Die männliche und die weibliche Form in einem Atemzug.

  • Liebe Kundinnen und Kunden, herzlich willkommen auf unserer neuen Website!

  • Fragen Sie einen Arzt oder eine Ärztin.

  • Auf Wunsch berät Sie eine unserer Mitarbeiterinnen oder einer unserer Mitarbeiter.

Vorteile: die Paarform stellt die beiden Geschlechter Mann und Frau gleich, ist verständlich für alle und eignet sich vor allem für konservative und ältere Zielgruppen

Nachteile: Diese Form braucht recht viel Platz und verursacht immer wieder Wortwiederholungen.


2. Binnen-I und Schrägstrich

Altgedient und langsam aus der Mode: Binnen-I und der Schrägstrich.

  • Ich helfe dir, deine Kund/innen inklusiv und Vielfalt wertschätzend anzusprechen.

  • Vor Kurzem habe ich meinen FollowerInnen auf Facebook und Instagram gezeigt, wie sie dort Alternativtexte hinzufügen können.

  • Der/die Mitarbeiter/in am Counter hilft Ihnen gerne weiter.

  • Du suchst eineN motivierteN TexterIN?

Vorteile: beide Geschlechter werden genannt

Nachteile: grammatikalisch kompliziert und mit hoher Verwechslungsgefahr zum kleinen i


3. Geschlechtsneutral formulieren

Diese Schreibweise umgeht die direkte Ansprache, nutzt neutrale Begriffe und umfasst alle Geschlechter.

  • Interessierte (statt Interessenten)

  • Studierende (statt Studenten)

  • Kundschaft

  • Personal

  • Menschen

  • Leute

  • Liebende

  • Wartende

Vorteile: passt für alle Geschlechter, spricht sowohl konservative Kunden als auch Genderbewusste an

Nachteil: nicht für alle Begriffe gibt es geschlechtsneutrale Ausdrücke, zudem wirkt die Ansprache mitunter recht unpersönlich


4. Mal so, mal so

Mal die weibliche, mal die männliche Form.

  • Bei Instagram kann die Nutzerin ihre Fotos entweder direkt beim Hochladen mit einem Alternativtext versehen oder diesen später hinzufügen. So erfährt auch ihr sehbehinderter Kunde, was auf den Bildern zu sehen ist.

  • So läuft die Behandlung ab: Der Patient sucht seine Hausärztin auf und lässt sich eine Überweisung ausstellen. Anschließend macht er einen Termin bei uns in der Praxis.

  • Alle sind verkleidet: Überall tanzen Hexen und Gespenster, Piratinnen und Räuber, Prinzen und Superheldinnen, Clowns und Comicfiguren.

Vorteil: Kann für ganz bestimmte Zielgruppen formuliert werden, einfach anzuwenden, leicht verständlich und ohne grammatikalische Ungereimtheiten

Nachteil: Erfordert beim Schreiben ein bisschen mehr Mitdenken


5. Mut zur Lücke

Diese Art zu gendern lässt eine Lücke zwischen der männlichen und der weiblichen Form.

  • Gendern mit Unterstrich: Kund_innen

  • Gendern mit Sternchen: Kund*innen

  • Gender Gap: Kund innen

  • Gendern mit Doppelpunkt: Kund:innen

  • Gendern mit Punkt: Kund.innen

Vorteile: bietet allen Geschlechtern zwischen oder abseits von Mann und Frau einen Platz

Nachteile: optisch zunächst ungewohnt


Sie wollen Ihre Texte maßgenau an Kund.innen, Lieferant.innen und Mitarbeiter.innen anpassen? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Angebot!


Zu kompliziert das alles? Lassen Sie uns für Sie in die Tasten hauen!